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Chisato Ryoko presste ihr Ohr an die Glocke des Schreins, um sie von kommenden Omen singen zu hören: Käfer- und Froschplagen, lähmende Winter, ein Priester, der sich zwischen Pflastersteinen den Fuß bricht. Sie klammerte sich an die Glocke in der Nacht, in der der Schrein brannte, ihre Familie davonlief und die Priester von den Klippen gestoßen wurden. Aber Ryoko blieb. Sie allein wurde Zeugin des Ronin, der erschien und jeden Schänder niederstreckte.
Der Ronin zog Ryoko von der Tempelglocke, drückte ihr Ohr an ein Schwert und ließ sie im Stich. Sie konnte eine Melodie in der Klinge hören – sie sang lauter als die Glocke.
Ryoko kümmerte sich um die Ruinen des Schreins und polierte die Schlackenrippen der Torii-Tore, doch das Summen des Säbels wurde brutaler – geradezu hypnotisch – bis sie ihn eines Tages verließ, um das zum Schweigen zu bringen, was auch immer es zum Singen brachte.
Verzaubert ertrug sie drei Prüfungen:
Sie überquerte einen zugefrorenen See mit tausenden spähenden Vögeln. Ein einziger Blick genügte, um ihre Seele in ihren stillen Flügeln einzuschließen.
Sie navigierte durch Schluchten aus tausend Knochen und kroch mit einem Durst nach Dingen jenseits des Wassers voran.
Endlich erschien das, was die Klinge zum Singen brachte – ein Kranich, aus dessen verseuchten, verletzten Lungen ein Gewürm aus Zikaden sprudelte. Der Kranich stach ihr mit seinem Schnabel ins Maul und betete.
„Freue dich, denn jedes neue Loch ist ein weiterer Ort, durch den Licht scheinen kann.“
Ryoko brach dem Kranich das Genick. Die Bäume verstummten und die Trance endete. Sie wagte sich an den Rand des Meeres und lauschte noch einmal ihrer Klinge. Ein neues Lied summte von der anderen Seite des Sonnenaufgangs, wo das Wasser schwarz wurde und die Herzen der verdammten Männer um Löcher und Licht flehten.
